“March of Remembrance and Hope” nach Auschwitz-Birkenau

Bereits zum zweiten Mal nahmen 15 Schülerinnen und Schüler der HAK 1 Wels am “Gedenkmarsch  der Erinnerung und Hoffnung” am internationalen Holocaust-Gedenktag in Auschwitz teil.

Am ersten Tag besuchten wir das Stammlager Auschwitz 1. Wir betraten das KZ-Gelände und betrachteten mit Ehrfurcht die hohen Zäune und die Aufschrift über dem Eingang/Ausgang „Arbeit macht frei“. Mit Fotoapparaten bepackt marschierten wir in die verschiedenen Gebäude, wo Bilder, Kleidungsstücke und viele andere private Gebrauchsgegenstände der “Häftlinge“ – deportierte Juden aus ganz Europa - ausgestellt waren. Besonders erschreckend ist jener Raum, in dem rund 2.000 kg  Haare deponiert sind, ein winzig kleiner Teil jener Masse an Haaren, die den Leuten gleich nach ihrer Ankunft abgeschnitten und weiterverarbeitet wurden. Berührend ist auch der hohe Berg an kleinen Babyschuhen. In so einer Situation kann man sich nicht vorstellen, wie ein Mensch nur im Stande sein kann, einem noch so unschuldigen Menschen etwas anzutun. Erschütternd sind die Bilder von Babys, Kindern und Erwachsenen, an denen Experimente durchgeführt wurden.  Beim Anblick der Todesmauer, der Gaskammern und Krematorien läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken.

Am zweiten Tag unternahmen wir in Krakau einen Stadtrundgang im ehemaligen jüdischen Viertel Kazimierz, wo wir zwei der acht Synagogen besichtigten. In der Großen Synagoge sang der Kantor der Wiener Synagoge mit polnischen Instrumentalisten traditionelle jüdische Lieder, bei denen wir zum Mitsingen und Mittanzen eingeladen waren.  Ins Gedächtnis gebrannt hat sich am Gelände des ehemaligen Ghettos der Platz mit den vielen Sesseln als Symbol dafür, dass alle Juden ihre Wohnungen räumen mussten.  Entlang der Reste der Ghetto-Mauer marschierten wir den gleichen Weg, den auch die Ghettobewohner gehen mussten, wenn sie in die Emailwaren Fabrik Oskar Schindlers zur Arbeit getrieben wurden. Jetzt ist die Fabrik zu einem außergewöhnlichen Museum umgestaltet, das die Möglichkeit bietet, sich in die jeweiligen Situationen vor, während des Krieges und danach, einzufühlen.
Am Abend dieses anstrengenden Tages erfuhren wir die Geschichte einer polnischen „Gerechten unter den Völkern“, deren Familie drei Jahre hindurch unter Todesgefahr sechs Juden vor den Nazis rettete. Ohne diese Frau wären 42 weitere Menschen nicht am Leben, die seither in den nachfolgenden Generationen geboren wurden.

Das emotional bewegendste Ereignis war der Gedenkmarsch nach Auschwitz-Birkenau.
Tausende überwiegend jüdische Jugendliche aus aller Welt, teils gut gelaunt aus Freude über das (Über-) Leben, teils in Trauerstimmung wegen der 1,2 Millionen Ermordeten, warteten bis zum Signal eines Widderhorns, das traditionell zu einer Schweigeminute einlädt. Danach bewegte sich langsam die Menschenmenge Richtung Birkenau. Wir waren alle sehr beeindruckt als wir beim Überqueren  einer Brücke die vielen tausend Jugendlichen sehen konnten. Bei der Ankunft in Birkenau, waren wir alle sehr gerührt, weil in den Gleisen zuvor ausgeteilte Holztafeln steckten, auf denen wir unsere Nachrichten hinterlassen konnten. Alle Sprachen waren dort vertreten und so mancher Text lockte eine Träne hervor.
Als ich das Lager von Birkenau betrat, war ich schockiert wie groß es war. Die Fläche dieses Vernichtungslager ist riesig. Bei der Zeremonie zum Gedenken an die Ermordeten wurden auf einer großen Leinwand Fotos und Videos hergezeigt, die mich sehr mitgenommen haben. Man kann es sich nicht vorstellen, wie grausam es für die Menschen gewesen sein muss. Beim Anblick der Ruinen der Gaskammern und Krematorien konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten und auch vielen anderen erging es so.
Ein weiteres Highlight war für mich das Zeitzeugengespräch mit Marco Feingold. Der 99jährige Mann stand zwei Stunden kerzengerade vor uns und erzählte mit lebhafter Stimme schlimme Geschichten.  Dieser Mann, der  sechs Jahre in Haft war und drei KZs überlebt hat, beeindruckte mich fürs Leben, niemals werde ich diesen Menschen vergessen.
Diese Reise war unvorstellbar interessant, ich empfehle sie jedem, denn es ist wichtig, dass so viele Menschen wie möglich über diesen Teil der Geschichte genauestens Bescheid wissen.

Klara, Johanna und Aline, III D, HAK 1 Wels